Schöpfungsleitlinien

der Bonhoeffergemeinde Hemsbach

Gott segnete die Menschen und sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde
und machet sie euch untertan und herrschet
über die Fische im Meer und über die Vögel
unter dem Himmel und über das Vieh
und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

(erster Schöpfungsbericht: 1.Mose 1, 28)

Und Gott der HERR nahm den Menschen und
setzte ihn in den Garten Eden,
dass er ihn bebaute und bewahrte.

(zweiter Schöpfungsbericht: 1. Mose 2, 15)

HERR, wie sind deine Werke so groß und viel!
Du hast sie alle weise geordnet,
und die Erde ist voll deiner Güter.

(Psalm 104,24)

Wer ist nun weise, dass er dies verstünde,
und zu wem spricht des HERRN Mund,
dass er verkündete, warum das Land
verdirbtund öde wird wie eine Wüste,
die niemand durchwan
­dert?

(Jeremia 9,11)

 

Gottes Auftrag des „Herrschens“ und „Bebauens“ schließt zugleich das Bewahren dieses einma­ligen, kostbaren und unersetzlichen Geschenkes des Schöpfers an die Menschen ein. Über viele Jahrtausende verstand es der Mensch, die Erde in diesem Sinne nachhal­tig zu bewirtschaften. In der Moderne verlor er über der Erweiterung seiner wissenschaft­lichen und technischen Fähigkei­ten jedoch diese Kompetenz.

Zugleich mit der Loslösung des Weltverständnisses von Gott, dem Schöpfer, hat sich unsere Zivilisation der (bis dahin oftmals bewährten) Ressource beraubt, die auf Bedürfnisbefriedigung angelegten Impulse eigener Lebensqualitätsverbesserung extrinsisch* zu regulieren (7., 9. und 10. Gebot; Stellen zum Armutsideal wie Mt 19,16ff oder Lk 12,16ff..; die christlichen Tugenden von Demut und Bescheidenheit mit Joh 3,10-14; das Doppelgebot der Liebe).

Der Living Planet Report 2012 zeigt, dass die Menschheit zwei Erden bräuchte, wenn alle so leben wollten wie der deutsche Durchschnittsbürger. Im Falle der USA wären es sogar vier Erden. Die Übernutzung der Ressourcen führt zum Klimawandel, der die Lebens­bedingungen von Pflanze, Tier und Mensch nachhaltig beschädigen und in Teilen zerstören dürfte.

Im ersten Schöpfungsbericht wurde das fruchtbare Land dem Wasser abgenommen, im zweiten der Wüste. Wasserfluten und Dürre markieren als zwei Pole die chaotischen Urzustände jenseits der ordnenden Liebe Gottes. Beide finden sich in den Prognosen des Klimawandels als Bedro­hungen jenseits der Kipp-Punkte des klimatischen Gleichgewichtes wieder.

Es ist derselbe geistesgeschichtliche Vorgang der Säkularisierung, der einerseits zur explosions­artigen Entwicklung von Wissen und Fähigkeiten und andererseits zum Verlust deren nachhalti­ger Viabilität (Lebensdienlichkeit) führte. Das muss demütig machen gegenüber den Generatio­nen unserer Vorväter und -mütter und mahnt zur intensiven Suche nach Lösungen.

Dass die Poli­tik hier weltweit völlig versagt, ist mehr als ärgerlich, verweist jedoch auf das System­problem, dass ein Güterverzicht ohne eine mächtige extrinsische Motivation schwer zu vermitteln ist.

Reli­gi­on ist bislang überhaupt die einzige bekannte Ressource für einen freiwilligen Güterverzicht vieler um eines höheren Zieles willen (Bsp. Urgemeinde, Franziskaner, Amish People). Einfacher tun sich Menschen mit der Umstellung ihrer Lebensgewohnheiten auf alterna­tive Verfahren, die weniger Ressour­cen (hier besonders Energie) verbrauchen. Falls diese inves­tiver Natur sind (also teurer sind als herkömmliche Verfahren) fällt das mit einer gewissen Ver­zichts­bereit­schaft zusammen.

Die Kirchen waren über dem Druck der Anpassung an die mo­derne Gesellschaft nicht immer Vorbilder für Bescheidenheit. Dennoch sind sie trotz mancher Ge­brochenheiten Träger einer bedeutenden Motivationsressource für Nachhaltigkeit.

Sie wissen um die Berufung Gottes an den Menschen, in Beziehung und im Einklang mit ihm, seinem Schöpfer, zu leben. Sie wissen um die Gebote Gottes, den Lohn der Nachfolge, den Segen des Gebens. Ihnen kommt darum in Denken und Handeln die Aufgabe einer Vorreiterrolle für den Bewusstseinsbildungsprozess unserer Zivilisation zu.

Mit dem „Grünen Gockel“ setzt unsere Badische Landeskirche diese Aufgabe in kirchliches Handeln um. Wir als einzelne Gemeinde nehmen an diesem Handeln bewusst teil und möchten auf diese Weise Menschen unserer Gemeinde und unserer Stadt zum Mitmachen ermutigen.  

Wir als ev. Bonhoeffergemeinde Hemsbach stellen uns dieser Verantwortung durch un­sere Teilnahme am „Grünen Gockel“. Für uns bedeutet das konkret:

a)    Wir verstehen die Verantwortung für die Umwelt als Teil des Schöpfungsauftrags Gottes an uns persönlich und darum als eine der Kernaufgaben unserer Gemeinde. Deshalb betrachten wir den Schutz der Natur und der Umwelt als eine wichtige Aufgabe, die viele Bereiche kirchli­chen Handelns berührt.

b)    Wir achten beim Verbrauch von Ressourcen auf nachhaltige Klima- und Umweltver­träg­lichkeit und sind bereit, dafür höhere Preise in Kauf zu nehmen.

c)    Wir achten auf größtmögliche Sparsamkeit sowohl beim „Input“ von Energie und Material als auch beim „Output“ von Müll, insbesondere wenn dieser die Umwelt belastet. Bereits beim Ein­kauf achten wir auf die Umweltverträglichkeit des beim Verbrauch produzierten Abfalls (Bsp. Putzmittel)

d)    Wir achten das Lebensrecht der Menschen in jeder Beziehung – vom Beginn bis zum Ende seines Lebens und in allen Regionen der Welt. Wir wollen in un­se­rer Gemeinde mit den Rohstoffen dieser Erde so umgehen, dass unsere Lebensqualität möglichst weder Umweltzerstörung, noch Armut oder Ungerechtigkeit in anderen Regionen der Welt auslöst.

e)    Wir achten ursprüngliche Strukturen in Natur und Gesellschaft und behandeln sie möglichst schonend. Das betrifft z.B. die Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Pflanzen und Tieren in ihren Lebensräumen oder das Achten auf artgerechte Tierhaltung bei Einkauf und Verzehr tierischer Produkte.

f)     Wir halten die Umweltvorgaben unserer Landeskirche sowie alle anderen relevanten Umwelt­ge­setze und -Vorschriften ein.

g)    Wir wollen durch vorbildliches Umweltverhalten zur Bewusstseinsbildung in unserer Stadt und in unserem Land beitragen.

h)    Als Instrument zur Umsetzung unserer Grundsätze führen wir ein Umweltmanage­ment­system ein, das einen kontinuierlichen Prozess von Gewahrwerden und Opti­mieren unserer Umwelt­wir­kungen begründet. Wir erfassen und bewerten regelmäßig unsere Leistungen und Umwelt­auswirkungen, vereinbaren Handlungs­pro­gramme und benennen Verantwortliche. Wir doku­mentieren und überprüfen unsere Ergebnisse mit dem Ziel einer stetigen Verbesserung. Wir wollen alle Mitar­bei­terinnen und Mitarbeiter aktiv in Umweltfragen mit einbeziehen, ihre Anre­gungen aufnehmen und berück­sicht­igen.

i)      Durch Aus- und Fortbildungsangebote möchten wir die persönlichen Kompetenzen fördern und auf diese Weise hohe Umwelt- und Qualitätsstandards erreichen.

j)      Unsere Gemeindeglieder werden durch Information, Gesprächsangebote, Umweltgottes­dienste und Einladung zur Mitarbeit motiviert, sich am Grünen Gockel zu beteiligen und Lösungen auch persönlich anzuwenden. Die bei uns lebenden Kinder und Jugendlichen erhalten in besonderem Maße die Gelegenheit, sich mit der Umwelt, ihrer Bebauung und ihrer Bewahrung ihrem Alter entsprechend auseinan­der­zu­setzen.

k)    Als christliche Gemeinde mit Weltverantwortung möchten wir in unsere Stadt Hems­bach hineinwirken. Deshalb informieren wir regelmäßig über unsere Umweltaktivitäten und suchen in Umweltfragen den Austausch mit den Menschen und Institutionen in unserer Stadt.

 Zuspruch

Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes, den ich
geschlossen habe zwischen mir und euch und
allem lebendigen Getier bei euch auf ewig:
Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt;
der soll das Zeichen sein des Bundes
zwischen mir und der Erde.

(1. Mose 9,12-13)

 *Bei der extrinsischen Motivation (im Unterschied zur intrinsischen Motivation, etwas um seiner selbst willen zu tun) kommt der Impuls zum Handeln von außen und besteht darin, dass man sich davon einen Vorteil (z.B. Belohnung) verspricht oder Nachteile (z.B. Bestrafung) vermeiden möchte.

 

Genehmigt vom Ältestenkreis                        Datum:        11. Februar 2014

         

Annette Körner, Vorsitzende


Letzte Änderung von: Antje Löffel
Letzte Änderung am: 09.05.2014 11:19 Uhr